Gin Sorten sind weit mehr als nur Spirituosen. Sie sind Ausdruck von Handwerk, Kreativität und persönlichem Geschmack. Wer sich intensiver mit Gin beschäftigt, merkt schnell, dass nicht jeder Gin gleich ist. Obwohl er keinem Reinheitsgebot unterliegt wie Bier, gibt es in Europa klare gesetzliche Kategorien, die sich nicht am Geschmack, sondern am Herstellungsverfahren orientieren. Es sind genau diese Unterschiede, die entscheidend sind.
In diesem Artikel nehmen wir dich mit auf eine kleine Wissensreise durch die Welt der europäischen Gin Sorten und erklären dir, worin sie sich unterscheiden und warum die Sorte allein noch nichts über die Qualität eines Gins aussagt.
Gin ist nicht gleich Gin
Die Vielfalt an Gins scheint grenzenlos. Fruchtig, floral, würzig oder klassisch wacholderbetont. Trotz dieser aromatischen Bandbreite unterscheidet das europäische Recht Gin nicht nach Geschmack, sondern nach Art der Herstellung. In Europa wird grundsätzlich zwischen drei Gin Sorten unterschieden:
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London Gin
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Destillierter Gin oder Dry Gin
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Sloe Gin oder Schlehen-Gin
Diese Einteilung hilft dabei, Transparenz zu schaffen und Mindeststandards zu definieren. Sie ist jedoch kein Qualitätsurteil.
London Gin – der strengste Klassiker
Der London Gin gilt als die wohl bekannteste Gin Kategorie. Der Name fĂĽhrt dabei oft in die Irre, denn ein London Gin muss nicht aus der englischen Hauptstadt stammen. Er kann ĂĽberall auf der Welt gebrannt werden, solange bestimmte Kriterien eingehalten werden.
Ein London Gin muss einen Mindestalkoholgehalt von 37,5 Prozent Volumen aufweisen und auf neutralem, pflanzlichem Alkohol basieren. Das Besondere liegt im Herstellungsprozess: Alle Aromen müssen ausschließlich aus natürlichen Zutaten stammen und während der Destillation gemeinsam hinzugefügt werden. Nachträglich dürfen weder Zucker noch zusätzliche Aromastoffe ergänzt werden.
Das Ergebnis ist meist ein sehr klarer, trockener Gin mit deutlichem Wacholderprofil und präzise eingebundenen Botanicals. London Gin steht für Purismus, Klarheit und handwerkliche Disziplin. Viele klassische Gin Cocktails wie der Dry Martini basieren traditionell auf dieser Gin Sorte.
Destillierter Gin oder Dry Gin – kreative Freiheit mit Handwerk
Der destillierte Gin, häufig auch als Dry Gin bezeichnet, bietet den Brennern etwas mehr gestalterischen Spielraum. Auch hier ist eine Destillation Pflicht und es dürfen ausschließlich natürliche Aromen und Gewürze verwendet werden. Im Gegensatz zum London Gin ist jedoch nicht vorgeschrieben, wann und in welcher Reihenfolge die Botanicals hinzugefügt werden.
Zudem sind bei destilliertem Gin naturidentische Farb- und Aromastoffe erlaubt, solange der Mindestalkoholgehalt von 37,5 Prozent Volumen eingehalten wird. Diese Kategorie ist bei modernen Manufakturen besonders beliebt , da sie Raum für kreative Rezepturen und innovative Aromenkombinationen zulässt.
Viele zeitgenössische Premium Gins fallen in diese Kategorie. Sie überzeugen durch Individualität, regionale Zutaten und eine klare Handschrift der Destille. Solltest du gerne neue Geschmackswelten entdecken, wirst du bei destillierten Gins häufig fündig.

Sloe Gin oder Schlehen-Gin – fruchtige Tradition mit Geschichte
Der Sloe Gin, im Deutschen Schlehen-Gin genannt, nimmt eine Sonderrolle ein. UrsprĂĽnglich musste er nicht zwingend auf Gin basieren. Ein neues EU Gesetz schreibt jedoch vor, dass Schlehen-Gin kĂĽnftig auf destilliertem Gin beruhen muss.
Charakteristisch fĂĽr Sloe Gin ist sein meist geringerer Alkoholgehalt, der oft unter 37,5 Prozent Volumen liegt, sowie seine tiefrote bis rubinrote Farbe. Diese entsteht durch das Ansetzen von Schlehenbeeren mit Zucker im bereits destillierten Gin.
Geschmacklich ist Schlehen-Gin süßlicher, fruchtig und weniger wacholderbetont. Er wird häufig pur oder als Bestandteil klassischer Drinks wie dem Sloe Gin Fizz genossen und ist besonders in der kühleren Jahreszeit beliebt.
Was die Sorte nicht verrät
So hilfreich diese Kategorien auch sind, sie sagen nichts darüber aus, ob ein Gin gut oder hochwertig ist. Ein guter Gin ist nicht an seiner Sorte zu erkennen. Entscheidend sind vielmehr die Qualität der verwendeten Botanicals, ein sauberer, hygienischer Herstellungsprozess und das handwerkliche Können der Destillierenden. Bei unserem Gin Test Leitfaden erfährst du mehr darüber, woran du einen Premium Gin erkennst.
Auch die Herkunft der Zutaten, kleine Batches und eine schonende Destillation spielen eine große Rolle. Ein London Gin kann technisch perfekt sein und dennoch langweilig wirken, während ein destillierter Gin mit mutiger Rezeptur und viel Leidenschaft begeistert.
Am Ende entscheidet dein Geschmack
Gin Sorten sind so individuell wie die Menschen, die sie trinken. Manche lieben den klassischen, trockenen Stil mit viel Wacholder, andere bevorzugen florale oder exotische Noten. Es gibt kein richtig oder falsch, sondern nur das, was dich begeistert.
Deshalb gilt: Probieren, vergleichen und entdecken. Ob pur, auf Eis oder im Cocktail. Jeder Gin erzählt seine eigene Geschichte. Und genau darin liegt der Reiz dieser besonderen Spirituose.
Wir sind gespannt, wie du deinen persönlichen Favoriten findest und natürlich auch darauf, wie dir unsere Layover Gins schmecken.
